Tuning? Antituning!

Antituning? Naja, also der Rückbau – weitgehend in dem Ur-Zustand. Weil wegen dieser katastrophalen Katastrophe. Nun hatte ich ja einen Vorteil, genauer ein paar mehr: Ich bin mit diesem Verstärker schon vertraut. Genauso vertraut sind mir gewisse „Marotten“ des Herstellers (!).

Zu den „Marotten“ gehört beispiesweise „Modell-Diversifikation“. Besonders dieses Verstärkermodell gibt’s mit KT88-Endröhren, wenn ich richtig gezählt habe, in drei Varianten (mit anderen Endröhren sind’s ein paar mehr). Bis auf die erste Verstärkerstufe sind die schaltungstechnischen Unterschiede marginal. Von Äusserlichkeiten darf man sich nicht täuschen lassen. Moment, eine vierte Variante gibt’s auch noch, tarnt sich „ävver“ als Deutsch…

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Eine schaltungstechnische „Marotte“ ist, dass man sich bei der Dimensionierung von Bauteilen flexibel zeigt, oft mit Tendenz zum Preiswerteren. Der Schaltplan wird dabei oftmals, zumindest in Teilen, nur als Empfehlung betrachtet. Diese „Marotte“ geht mit einer anderen „Marotte“ einher: Nennen wir die mal „Prospektdaten“.

Zu diesem Verstärker: Es ist müßig nach der Ursache des Defekts zu forschen, weil der ganze Kladderadatsch a) sowieso technischer Oberblödsinn war (allein nur die Idee) und b) weil es von Betriebssicherheit eine eigene Auffassung gab…

Antituning Netzteil

Das Antituning lässt sich hier ganz einfach zusammenfassen: Überblick verschaffen, nicht lange fragen Warum und Wieso, Abrissbirne und neu Aufbauen. Wichtigstes Werkzeug beim Antituning war zunächst ein „Bolzenschneider“. Dazu eine Portion Skrupellosigkeit und ab dafür…

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Das ging schneller, als sich mit dem 100W-Bräter herumzumühen. Selbst der war nämlich aufgrund des Lötzinns und der Dicke der Kabel ein bisschen überfordert. Das Kabelzeuchs stammte zum einen aus dem Baumarkt (Elektroinstallationen) und wohl aus dem Car-HiFi Bereich. Eine „Eins-Fünfer“-Strippe ist da ja Minimum.

Erst jetzt wurde sichtbar, dass die Isolierung von einem Kabel weggeschmort wurde und auch einen Kontakt hatte, der nicht hätte da sein dürfen.

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Das Antituning sollte eigentlich auch die Drossel betreffen. Im Original sind’s, wenn man dem Schaltplan trauen darf, 4H/300mA (!), praktischerweise wurden 2H verbaut. Das Blöde: Passende Drossel gibt es zwar, lässt sich nur nicht ohne riesengrossen Aufwand montieren, weil die alte „Montagevorrichtung“ zum Teil nachhaltig unbrauchbar gemacht wurde.

Nur noch Erinnerung

Also die rote Drossel ausmessen – wie erwartet nahezu das Doppelte an Induktivität. Ob die aber voll wirksam werden, steht auf einem anderen Blatt… Nun gut. Mit neuen Anschlusskabeln versehen, wird sie wieder montiert.

Die Drossel und die Anschlussbuchse der externen Kapazitätskiste sollten bei diesem Antituning nur noch als Erinnerung an der Katastrophe bleiben. Als Mahnmal, quasi.

Dann zunächst den Netztrafo testen. Sollte der ’nen „Schlach mit der Wixbürste“ abbekommen haben, dann war’s das. Nein, der ist vollkommen in Ordnung. Die Übertrager, so scheint’s, auch. Auf geht’s: Neuer Gleichrichter, vor und nach der Drossel werden die Kapazitäten wieder auf vernünftiges Maß zurechtgestutzt.

Nur nebenbei: Im Original finden sich riesige Becherelko(s) mit Schraubanschlüssen. Auch so eine „Marotte“, weil Potenz-Show. Vermutlich genauso wie auch das doch beachtliche Gewicht… Egal.

Und wo wir schon so lustig am neuaufbauen sind, wird – als Antituning – noch ein Entladewiderstand montiert. Der fehlte nämlich bei der Tuning-Version (und soweit erinnerlich auch im Original). Die serienmäßig verbaute kleine Folienkapazität wird später „etwas“ aufgeblasen und an anderer Stelle verpflanzt. Das – gebe ich zu – ist meine Marotte.

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Das Netzteil-Antituning ging wider Erwarten recht schnell. „Wenn der Rest ebenso schnell über die Bühne geht, dann wird’s ein Durchmarsch“, dachte ich in einem Anfall von senilem Optimismus. Von wegen Durchmarsch. Ab jetzt musste man robben…

frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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